„Aufklären und Schutz gewähren“

 

Erzieher/-innen im professionellen Umgang mit Gewalt

Wer heutzutage einen pädagogischen Beruf als Erzieher/-in ausübt, sieht sich automatisch mit dem Thema „elektronische Medien“ konfrontiert. Längst wachsen Kinder in digitalen Spiellandschaften auf und sind immer früher mit der Nutzung Jährlich nehmen wir ein wichtiges Thema für Praxis und Ausbildung in den Blick und schauen es uns gemeinsam näher an.

Die drei freien Träger „Frauen helfen Frauen e.V. Dieburg“, „Wildwasser Darmstadt e.V.“ und „pro familia Darmstadt/Bensheim e.V.“ arbeiten seit September 1999 im „Netzwerk Gewaltschutz – Prävention und Schutz bei häuslicher und sexualisierter Gewalt an Frauen, Mädchen und Jungen -„ fachlich und praxisorientiert an der Erstellung von präventiven Maßnahmen mit. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Idee für das Projekt „Aufklären und Schutz gewähren“ – Erzieher/-innen im professionellen Umgang mit Gewalt.

 

Projektbeschreibung

Seit dem Jahr 2002 wird das Projekt mit Studierenden der Landrat-Gruber-Schule durchgeführt.

Bereits vor Berufsbeginn zur Erzieherin/zum Erzieher wird über eine angemessene kindliche Sexualität (psychosexuelle Entwicklungsphasen) und ihre Ausdrucksformen informiert, für den Umgang mit sexualisierter und häuslicher Gewalt sensibilisiert, die Täter- und Opferrolle analysiert  und eine Orientierung im Helfersystem geben.

Insgesamt finden im Moment sechs Blockveranstaltungen statt, von jeweils fünf Zeitstunden, (für jede Klasse drei Veranstaltungen) durchgeführt von Diplom-Sozialpädagoginnen der drei freien Träger.

Seit 2009/10 finden die Veranstaltungen nicht mehr in der Schule, sondern in den Beratungsstellen selbst statt.  Das ermöglicht den Teilnehmer/innen die Räumlichkeiten der Beratungsstellen kennen zu lernen und senkt die Hürde eine Beratungsstelle selbst aufzusuchen. Wiederholt haben einzelne Studierende nach dem offiziellen Unterricht das Gespräch mit den Fachkräften gesucht, weil über die intensive Arbeit mit dem Themenkreis sexualisierte und häusliche Gewalt immer wieder auch eigene (Familien-)Geschichte eine Rolle spielen kann. Die Auseinandersetzung mit  autobiografischen Aspekten ist in nahezu allen pädagogischen, psychologischen und sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern unverzichtbar. Nur so kann die eigene Werteorientierung im Umgang mit Klienten oder Schutzbefohlenen ausreichend reflektiert werden.

 

Formen der Gewalt

Gewalt als menschliches Verhalten hat viele Facetten. Es gibt verbale, physische, psychische und sexualisierte Gewalt. Im gesellschaftlichen Kontext spricht man von struktureller oder politisch motivierter Gewalt. Im Fokus aller Facetten werden Opfer (Betroffene) auf der einen Seite und Täter (Ausübende) auf der anderen Seite sichtbar. Sie sind das Abbild menschlicher und gesellschaftlicher Realität. In unserer Gesellschaft ist Aggression in traditionelle Rollenzuschreibungen eingebunden, die den Geschlechtern nicht die gleichen Handlungsmöglichkeiten bieten.

Mädchen und Jungen werden unterschiedlich sozialisiert. Sie sind unterschiedlich von Gewalt betroffen und erleben diese verschieden.

Diese Sozialisationsprozesse, die wesentlich im Elternhaus, aber auch in Kindergarten und Schule stattfinden, prägen die Art und Weise des Umgangs mit Konflikten und Gewalt. Um die Bedeutung von Verhaltensweisen zu verstehen, ist es unumgänglich, diese vor dem Hintergrund von Motivation, Werten, Identität, Rollenverständnis und Machtverteilung in der individuellen, realen Lebenswelt zu betrachten.

 
Gerade für zukünftige Erzieherinnen und Erzieher ist es deshalb unerlässlich, sich mit den Themen von  „eigener Sexualität, kindlicher Sexualität, sexualisierter und häuslicher Gewalt“ zu befassen. Es soll die Studierenden befähigen Sensibilität zu entwickeln, um Situationen im Berufsalltag erkennen zu können und zu wissen, welche Hilfsmöglichkeiten und Handlungsstrategien existieren.